Andreas Gruß ist Geschäftsführer Vertrieb Deutschland bei Otis, dem weltweit führenden Unternehmen für die Fertigung, Installation und Wartung von Aufzügen und Fahrtreppen. Im Gespräch erläutert er, warum Aufzüge und Fahrtreppen bei Umnutzungen oft „mitentscheiden“ – und wie Planende im Bestand Gestaltungsspielräume behalten, ohne die Betriebsrealität aus dem Blick zu verlieren.

NAXNAX Netzwerk Architekturexport: Revitalisierung und Umnutzung sind derzeit ein Riesenthema. Was wird bei solchen Projekten in der Praxis am häufigsten unterschätzt – speziell mit Blick auf vertikale Mobilität?
Andreas Gruß: Der Aufzug wird im Bestand oft zu spät als Teil der neuen Nutzung gedacht. Dabei definiert er, ob ein Gebäude barrierefrei, logistisch funktionsfähig und im Alltag zuverlässig nutzbar ist. Bei Umnutzungen ändern sich Verkehrsströme, Nutzerprofile und Spitzenlasten – und damit die Anforderungen an Türsysteme, Steuerung, Verfügbarkeit, Schallschutz und Energieverbrauch. Wer das früh klärt, vermeidet spätere „Notlösungen“, die weder ästhetisch noch wirtschaftlich überzeugen.
NAX: Viele Architektinnen und Architekten möchten im Bestand so wenig Eingriffe wie möglich – gleichzeitig sind Erwartungen an Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz gestiegen. Wie lässt sich das zusammenbringen?
Andreas Gruß: Über phasenweise Modernisierung und modulare Ansätze. In Europa sind viele Anlagen älter als 25 Jahre – der Handlungsdruck steigt, ohne dass man jedes Mal den kompletten Schacht „neu erfinden“ muss. Deshalb setzen sich Konzepte durch, bei denen Modernisierung schrittweise geplant wird: mit klarer Budget‑ und Zeitlogik und so, dass der laufende Betrieb im Gebäude möglichst wenig leidet. Auch der Nachhaltigkeitsaspekt ist nicht zu unterschätzen. Bestehende mechanische Komponenten können in Verbindung mit moderner Antriebstechnik – etwa unserer Gurttechnologie – einen spürbaren Mehrwert bieten.
NAX: „Re‑Use“ bedeutet auch: Lebensdauer verlängern statt ersetzen. Welche Rolle spielt dabei Digitalisierung?
Andreas Gruß: Eine sehr praktische. Vernetzte Systeme und IoT-Lösungen wie Otis ONE™ helfen dabei, Anlagenzustände besser zu verstehen und Wartung planbarer zu machen. Die IoT-Plattform Otis ONE™ erfasst und analysiert Daten aus intelligenten Sensoren und stellt Kunden sowie den Serviceteams von Otis Leistungsinformationen, proaktive Kommunikation und vorausschauende Erkenntnisse zur Verfügung. Für Betreiber bedeutet das mehr Einblick in Verfügbarkeit und Leistung – ein konkreter Vorteil bei Umnutzungen und Modernisierungen.
NAX: Haben Sie ein Beispiel, das den „Revitalisierungs‑Case“ greifbar macht?
Andreas Gruß: In besonders anspruchsvollen Bestandsprojekten, etwa in Klinken, zeigt sich deutlich, worauf es bei Modernisierung ankommt. Ein Beispiel ist die Modernisierung von Aufzugsanlagen im Universitätsklinikum AKHAKH Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen Wien, einem der größten Krankenhäuser Europas. Dort wurden Anlagen, die teilweise seit mehr als 50 Jahren im Einsatz waren, vollständig erneuert. Im laufenden Klinikbetrieb. Ein gemeinsam entwickeltes Umbau- und Ausweichkonzept stellte den Betrieb – einschließlich der OP‑Abläufe – durchgehend sicher.
Gleichzeitig zeigen solche Projekte, welchen Beitrag Modernisierung leisten kann: Im AKH Wien konnte der Energieverbrauch der Anlagen deutlich reduziert werden, bei verbesserter Verfügbarkeit und optimierten Fahr- und Wartezeiten.
Entscheidend ist aber nicht nur die Technik, sondern eine verlässliche Zusammenarbeit im Projekt: also wie gut Planung und Umsetzung ineinandergreifen, wie transparent Prozesse sind und wie stabil Anlagen im Betrieb laufen. Das schafft für Architektinnen und Architekten die notwendige Sicherheit – und ist am Ende ein wesentlicher Faktor für den Projekterfolg.
NAX: Bei der Vielzahl an technischen Partnern im Bauprozess: Woran erkennen Architektinnen und Architekten, mit wem sie frühzeitig zusammenarbeiten sollten – und welche Rolle kann Otis in diesem Kontext spielen?
Andreas Gruß: Gute Partnerschaften im Bestand verbinden Planungslogik und Betriebsrealität. Gerade bei Revitalisierungen reicht es nicht, nur die technische Lösung zu betrachten – entscheidend ist, ob sie sich in die vorhandene Struktur integrieren lässt und gleichzeitig zukünftige Nutzungen mitdenkt.
Architektinnen und Architekten profitieren, wenn Partner einbezogen werden, die Erfahrungen mit unterschiedlichen Gebäudetypen und Nutzungsszenarien mitbringen – vom Wohnbau über Büro bis hin zu komplexen öffentlichen Gebäuden. Es geht weniger um einzelne Produkte als um die Frage: Wie bleibt ein Gebäude langfristig funktional, flexibel und wirtschaftlich nutzbar?
An dieser Schnittstelle setzen wir bei Otis an: Wir bringen technisches Know-how, Modernisierungserfahrung und Betriebsperspektive zusammen – idealerweise so früh, dass daraus keine Einschränkung, sondern zusätzlicher Gestaltungsspielraum entsteht. Und wir beraten unsere Kunden umfassend und mit Blick auf das, was für sie langfristig sinnvoll ist: bei der Wahl der passenden Produkte ebenso wie bei der Frage, ob im konkreten Fall eine Modernisierung oder eine Ersatzanlage die bessere Lösung darstellt. Entscheidend ist für uns dabei nicht ein Standardansatz, sondern die Lösung, die zum Gebäude, zur Nutzung und zu den Anforderungen des Kunden am besten passt.
NAX: Wenn Sie Architektinnen und Architekten einen Gedanken für die nächste Umnutzung mitgeben – welcher wäre das?
Andreas Gruß: Denken Sie vertikale Mobilität als Bestandsinfrastruktur, die „mitlernen“ muss: neue Nutzungen, neue Zielgruppen, neue Anforderungen. Moderne Plattformen – von flexibler Modernisierung bis zu vernetzten Neuanlagen – sind dafür gemacht, Performance und Gestaltung zusammenzubringen.
NAX dankt Andreas Gruß herzlich für dieses Interview.
Weitere Informationen finden Sie unter otis.com