Das Thema Revitalisierung und Umnutzung gewinnt international zunehmend an Bedeutung. Für Büros wie Müller Reimann Architekten gehört der Umgang mit dem Bestand bereits seit vielen Jahren zur architektonischen Praxis – auch über Deutschland hinaus. Ihre Projekte zeigen, wie Bestandsgebäude durch neue Nutzungskonzepte transformiert und durch technische Ertüchtigung wieder zukunftsfähig gemacht werden können.
Das Büro Thomas Müller Ivan Reimann Architekten wurde 1988 von Thomas Müller und Ivan Reimann in Berlin gegründet und wird heute in Partnerschaft mit Regula Scheibler und Torsten Glasenapp geführt. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in Planungen, die im städtischen Kontext stehen und die ein Teil der gewachsenen Bausubstanz der europäischen Stadt sind.

Der besondere Reiz solcher Planungen liegt für uns in der Auseinandersetzung mit Geschichte, der Gegenüberstellung von Alt und Neu und der sorgfältigen Abwägung notwendiger Eingriffe. Zu den wichtigsten Projekten gehören das Auswärtige Amt Berlin, städtebauliche Planung und Bau von Bürohäusern am Leipziger Platz und auf dem Hackeschen Markt in Berlin, Fakultätsgebäude Campus Westend in Frankfurt am Main sowie das Bundesministerium des Innern mit dem gerade fertiggestellten Erweiterungsbau.
NAXNAX Netzwerk Architekturexport: Revitalisierung und Umnutzung spielen heute eine zentrale Rolle in der Architekturdebatte. Was hat Sie persönlich früh dazu bewegt, sich intensiv mit dem Bestand auseinanderzusetzen? Was fasziniert Sie an der Arbeit mit bestehenden Gebäuden – auch im Vergleich zum klassischen Neubau?
Ivan Reimann: Unsere Herangehensweise bei der Arbeit dem Bestand ist eng mit unserem Verständnis von Architektur verbunden. Bauwerke sind für uns nicht nur funktionale, technische bzw. ästhetische Objekte, sie besitzen Geschichte, Erinnerung und Atmosphäre. Bestehende Gebäude verfügen immer über eine unverwechselbare räumliche und materielle Identität – sie erzählen über die Zeit ihres Entstehens, ihre Verwandlungen, ihre Nutzung und ihren Ort. Diese Identität gilt es zu stärken, oder wieder zum Ausdruck zu bringen.
Im Gegensatz zum Neubau beginnt man bei einer Revitalisierung nie bei null. Man arbeitet mit vorhandenen Strukturen, mit räumlichen Qualitäten, mit konstruktiven Gegebenheiten und oft auch mit historischen Schichten, die sichtbar geblieben sind. Diese Bedingungen verstehen wir nicht als Einschränkung, sondern als Ausgangspunkt für den Entwurf. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Bestand führt im Idealfall zu komplexeren und gleichzeitig überraschenderen Ergebnissen als bei vollständig neu konzipierten Gebäuden.

Tieranatomisches Theater von Carl Gotthard Langhans von 1790 wird heute vom Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik als Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude genutzt. Foto: Stefan Müller
Ein Beispiel für unseren Umgang mit historischen Bauwerken ist das Tieranatomische Theater der Humboldt-Universität in Berlin. Das von Carl Gotthard Langhans Ende des 18. Jahrhunderts errichtete Gebäude gilt als eines der bedeutendsten frühklassizistischen Bauwerke Berlins. Unsere Aufgabe bestand darin, das stark vernachlässigte und zugleich hochgradig denkmalgeschütztes Gebäude zu restaurieren und für eine Nutzung als Ausstellungs-, Forschungs- und Veranstaltungsort zu öffnen. Besonders wichtig war die Stärkung der ursprünglichen räumlichen Idee – des zentralen Kuppelraums als einem Ort der Wissenschaft und der Öffentlichkeit. Die Arbeit an diesem Projekt hat sehr deutlich gezeigt, wie viel Kraft und Zukunftspotenzial durch das Weiterbauen offengelegt werden kann.
Dies gilt nicht nur für denkmalgeschützte historische Bauten, auch weniger prominente Bauwerke können ein großes Potenzial besitzen. Hinzu kommt selbstverständlich die ökologische Verantwortung. Der Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Gebäude ist ein wesentlicher Beitrag zu nachhaltigem Bauen. Für uns bedeutet Revitalisierung deshalb nicht Verzicht, sondern eine intelligente und verantwortungsvolle Form des Bauens.
„Revitalisierung bedeutet nicht Verzicht, sondern sie ist eine intelligente und verantwortungsvolle Form des Bauens.“
Ivan Reimann
NAX: Welche architektonischen, kulturellen oder wirtschaftlichen Potenziale sehen Sie in der Umnutzung von Bestandsgebäuden – im Vergleich zu Neubauten?
Ivan Reimann: Die Potenziale liegen auf mehreren Ebenen und werden in Zukunft noch deutlich an Bedeutung gewinnen. Architektonisch entstehen durch die Arbeit mit dem Bestand häufig Räume mit einer besonderen Tiefe und Atmosphäre. Bestehende Konstruktionen, Materialien oder räumliche Proportionen erzeugen Qualitäten, die sich im Neubau nur schwer reproduzieren lassen. Gerade die Überlagerung verschiedener Zeitschichten macht viele historische Gebäude interessant und unverwechselbar.

Museum für Naturkunde in Berlin: Der „Vogelsaal“ ist mit den bauzeitlichen Vitrinen und ca. 11.000 Präparaten einer der imposantesten Sammlungsräume und wird auch nach der Restaurierung weiterhin für die Ausstellung der Vogelsammlung genutzt. Foto: Stefan Müller
Kulturell bedeutet die Transformation bestehender Gebäude auch, die Kontinuität einer Stadt bzw. der Gesellschaft weiterzuschreiben. Gebäude prägen unser kollektives Gedächtnis. Wenn sie erhalten und transformiert werden, bleibt die Geschichte präsent und sinnlich erlebbar. Die gebaute Umwelt gewinnt an Identität und Vielfalt.
Besonders deutlich wird bei dem Museum für Naturkunde in Berlin. Dort arbeiten wir an der Sanierung und Modernisierung von Teilen eines der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Museen Europas. Das Gebäude ist nicht nur architektonisch und denkmalpflegerisch relevant, sondern auch ein zentraler Ort wissenschaftlicher Forschung und öffentlicher Wissensvermittlung. Die Herausforderung besteht darin, hochkomplexe Anforderungen an Forschung, Sammlung, Klima, Sicherheit und Öffentlichkeit mit dem denkmalgeschützten Bestand in Einklang zu bringen. Hier zeigt sich, wie historische Bauwerke durch Transformation neue Zukunftsfähigkeit gewinnen können, ohne ihre Identität zu verlieren.

Sanierung und Erweiterung des Technischen Rathauses in Bielefeld: Außenansicht.Foto: Stefan Müller
Auch wirtschaftlich verändert sich die Perspektive zunehmend. Viele bestehende Gebäude verfügen über robuste Strukturen und zentrale urbane Lagen, die enorme Entwicklungspotenziale bieten. Gleichzeitig wird die sogenannte graue Energie – also die bereits im Gebäude gespeicherte Energie – immer wichtiger. Der Erhalt bestehender Substanz ist deshalb nicht nur kulturell sinnvoll, sondern auch ökologisch und ökonomisch zunehmend relevant. Noch deutlicher gesagt: beide Aspekte sind untrennbar miteinander verbunden.

Sanierung und Erweiterung des Technischen Rathauses in Bielefeld: Das Atrium mit seiner skulpturalen Treppe ist das verbindende Element zwischen Alt- und Neubau. Foto: Stefan Müller
Gerade öffentliche Gebäude besitzen oft strukturelle Qualitäten, die durch Anpassung und Modernisierung eine Weiternutzung ermöglichen und einen Neubau überflüssig machen. Projekte wie der Umbau und die Erweiterung des Technischen Rathauses in Bielefeld zeigen, dass selbst große Verwaltungsgebäude durch intelligente Revitalisierung neu gedacht werden können. Durch eine große Halle, die den Altbau und den Erweiterungsbau verbindet, gewann das Gebäude eine völlig neue räumliche Qualität und einen neuen zentralen, identitätsstiftenden öffentlichen Raum. Die komplexe Großform fügt sich sensibel in die anliegenden Stadträume. Die Idee des Weiterbauens wird durch die Abwandlung der Materialität und der architektonischen Gliederung des hochwertigen Bestandsgebäudes ablesbar. Das Projekt thematisiert nicht die Unterschiedlichkeit bestehender und neuer Architektur, sondern betont die Kontinuität.
„Der Erhalt bestehender Substanz ist nicht nur kulturell sinnvoll, sondern auch ökologisch und ökonomisch zunehmend relevant.“
Ivan Reimann
NAX: Welche Projekte, im In- und Ausland, inspirieren Ihre Arbeit? Welche Büros sind beim Thema Revitalisierung und Umnutzung für Sie Vorreiter und Vorbilder, im In- und Ausland? Und warum?
Ivan Reimann: Für unsere eigene Arbeit sind konkrete Projekte inspirierender als die Arbeit einzelner Büros. Uns inspirieren Projekte, die den Bestand nicht museal konservieren, sondern ihn weiterentwickeln und neu interpretieren. Besonders interessant finden wir Arbeiten, bei denen Alt und Neu selbstverständlich miteinander in Dialog treten und die Geschichte eines Gebäudes weiterhin ablesbar bleibt.
NAX: Wie kam die Beauftragung der Projekte Eurocentrum Groningen und Albion in den Niederlanden zustande – und warum war dieser internationale Kontext besonders spannend für Ihr Büro?
Ivan Reimann: Die Projekte entstanden über internationale Netzwerke und Kontakte zu Projektentwicklern, die gezielt nach Büros mit Erfahrung im Umgang mit komplexen Bestandsgebäuden gesucht haben. Ausschlaggebend war dabei insbesondere unsere langjährige Arbeit an denkmalgeschützten und kulturell bedeutenden Gebäuden sowie unsere Erfahrung mit hybriden Nutzungskonzepten.
Der niederländische Kontext war für uns besonders spannend, weil dort Revitalisierung und Transformation bereits seit Jahren selbstverständlicher Bestandteil der Stadtentwicklung sind. In den Niederlanden wird der Bestand, so zumindest unsere Erfahrung, häufig deutlich pragmatischer und experimenteller weitergedacht.
Beim Eurocentrum Groningen ging es darum, einem markanten, wenig attraktiven Hochhaus aus den 70 Jahren des 20. Jahrhunderts ein neues Erscheinungsbild zu geben und es an heutige Anforderungen anzupassen. Dabei standen Fragen der Nachhaltigkeit, Flexibilität und neuer Arbeitswelten im Mittelpunkt. Bei einem anderen Projekt Albion in Groningen war unsere Aufgabe eine bestehende, Stadtbild prägende Kornsiloanlage zu einem Wohngebäude zu umzubauen, sie baulich zu ergänzen und das bereits zum Abriss vorgesehene Bauwerk zu retten. Faszinierend war die Vielfalt an besonderen, sehr ungewöhnlichen Wohnsituationen und -typologien, die durch den Bestand gegeben waren. Eine solche Vielfalt wäre bei einem Neubau unmöglich. Sie war für die Entwicklung und Vermarktung kein Hindernis. Im Gegenteil. Sie hat sie zu dem wirtschaftlichen Erfolg des Projektes beigetragen, die Wohnungen wurden innerhalb kürzester Zeit vermietet.
Besonders lehrreich war die Offenheit der Stadt und des Aufragebers gegenüber hybriden Nutzungskonzepten und die Bereitschaft, das Gebäude situativ zu denken. Diese Haltung eröffnete große architektonische Freiräume.

Bürohochhaus Eurocentrum in Groningen: die Fassade vor der Sanierung.Foto: Stefan Müller

Bürohochhaus Eurocentrum in Groningen: die Fassade nach der Sanierung.Foto: Stefan Müller

Sanierung Umbau und Erweiterung der historischen Kornspeicheranlage „Albion“ in Groningen zu einem Wohngebäude. Foto: Ivan Nemec

Sanierung, Umbau und Erweiterung der historischen Kornspeicheranlage „Albion“ in Groningen zu einem Wohngebäude. Foto: Ivan Nemec
„Hybride Nutzungskonzepte und die Bereitschaft, das Gebäude situativ zu denken, eröffnen große architektonische Freiräume.“
Ivan Reimann
NAX: Welche Hauptunterschiede etwa hinsichtlich Genehmigungsprozessen, Baukultur, Nachhaltigkeitsverständnis oder Risikobereitschaft haben Sie dort im Vergleich zu Deutschland erlebt?
Ivan Reimann: Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Haltung gegenüber Veränderung. In den Niederlanden haben wir häufig erlebt, dass Prozesse stärker lösungsorientiert geführt werden. Der Fokus liegt oft darauf, wie ein Projekt ermöglicht werden kann – nicht primär darauf, welche Risiken oder Hindernisse bestehen.
Auch die Zusammenarbeit zwischen Bauherren, Behörden und Planern wirkt dort pragmatischer und dialogorientierter. Gerade bei Umnutzungsprojekten ist das ein großer Vorteil, weil solche Projekte naturgemäß komplexer und weniger standardisierbar sind als Neubauten. Die Diskussion konzentriert sich stärker auf konkrete Lösungen und langfristige Nutzbarkeit.
Deutschland liegt oft eine hohe planerische und technische Qualität in Vordergrund. Allerdings führen komplexe regulatorische Anforderungen in der Regel dazu, dass Transformationsprojekte schwieriger und langwieriger werden. Gerade beim Umgang mit bestehenden Gebäuden wären an vielen Stellen flexiblere Rahmenbedingungen hilfreich.
„Gerade beim Umgang mit bestehenden Gebäuden wären an vielen Stellen flexiblere Rahmenbedingungen hilfreich.“
Ivan Reimann
NAX: Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Projekte, z. B. in Bezug auf Nachhaltigkeit oder Wirtschaftlichkeit?
Ivan Reimann: Erfolg definieren wir nicht allein über technische Kennzahlen, kurzfristige Wirtschaftlichkeit oder die Ästhetik. So wichtig diese Aspekte sind: Entscheidend ist für uns, ob ein Gebäude langfristig funktioniert, angenommen wird und Relevanz erhält. Das gilt genauso für Neubauten, wie für Revitalisierungsprojekte.
Nachhaltigkeit verstehen wir immer umfassend. Natürlich spielen Energieeffizienz und technische Optimierung eine wichtige Rolle. Noch entscheidender ist beim Umgang mit Bestandsbauten die Frage, ob und wie das Bauwerk identitätsstiftend wirkt kann, ob es an Bedeutung und Vielschichtigkeit gewinnen konnte.
Auch wirtschaftlicher Erfolg ist aus unserer Sicht umfassend zu betrachten. Ein revitalisiertes Gebäude ist erfolgreich, wenn es dauerhaft genutzt wird, unterschiedliche Anforderungen aufnehmen kann und einen Mehrwert für Stadt, Nutzer und Eigentümer schafft.
NAX: Welche neuen Nutzungskonzepte sehen Sie als besonders vielversprechend für die Zukunft von Bestandsgebäuden?
Ivan Reimann: Die Frage kann man nicht allgemein beantworten. Je nach der Typologie und den strukturellen Eigenschaften werden sich andere Nutzungen anbieten. Wo die räumlichen und strukturellen Eigenschaften wenig Vorgaben liefern, sehen wir großes Potenzial in hybriden und flexiblen Nutzungskonzepten. Gerade Bestandsgebäude eignen sich häufig besonders gut dafür, unterschiedliche Nutzungen miteinander zu kombinieren.
Projekte der Umbau der Kornspeicher Albion in Groningen zu Wohnungen oder die Umwandlung des Kasernengeländes in Krampnitz/Potsdam zu einem Wohnquartier zeigen, dass Bestandsgebäude nicht nur auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren können, sondern ein Mehrwert an Charakter und an handwerklichen Details besitzen, die bei Neubauten bei vergleichbaren Budgets nicht realisierbar wären.
Anpassungsfähigkeit wird unter der Maßgabe der Nachhaltigkeit zu einer der wichtigsten architektonischen Qualitäten bei Neu- und Altbauten überhaupt. Gebäude müssen heute nicht mehr nur eine Nutzung erfüllen, sondern langfristig wandelbar bleiben.

NAX: Wie wichtig ist für Sie der Erhalt der Identität des Gebäudes und wie integrieren Sie diese im neu interpretierten Gebäude?
Ivan Reimann: Die Identität eines Gebäudes ist für uns Ausgangspunkt jeder Transformation. Dabei geht es nicht darum, alles unverändert zu konservieren, sondern die charakteristischen Qualitäten eines Hauses zu erkennen und weiterzuentwickeln.
Wir verstehen Transformation deshalb als Weitererzählen einer vorhandenen Geschichte. Dieser Dialog zwischen Alt und Neu erzeugt die besondere Qualität und Attraktivität revitalisierter Architektur.
„Der Erhalt bestehender Gebäude müsste politisch und wirtschaftlich stärker gefördert werden. “
Ivan Reimann
NAX: Was können Bauherren, Behörden und die Politik aus anderen Ländern lernen? Wo ist noch Luft nach oben?
Ivan Reimann: Deutschland könnte aus unserer Sicht vor allem von einer pragmatischeren Haltung profitieren. In anderen Ländern wird Transformation stärker als Chance verstanden und weniger als Sonderfall behandelt. Dadurch werden Planungs- und Genehmigungsprozesse nicht nur schneller, sondern die Projekte überhaupt erst wirtschaftlich realisierbar.
Gerade für Umnutzungsprojekte braucht es flexiblere regulatorische Rahmenbedingungen. Viele bestehende Vorschriften stammen aus einer Zeit, in der Neubau das dominierende Modell war und sind für die Transformation des Bestands nur bedingt geeignet. Vor allem aber braucht es ein kulturelles Umdenken: Bestehende Gebäude dürfen nicht primär als Problem oder Einschränkung betrachtet werden, sondern als Ressource und Potenzial für zukünftige Stadtentwicklung.
Darüber hinaus müsste der Erhalt bestehender Gebäude politisch und wirtschaftlich stärker gefördert werden. Die Erhaltung des Bestands sollte auch wirtschaftlich attraktiver gemacht werden.
NAX: Wenn Sie einen Aspekt aus der internationalen Praxis nach Deutschland übertragen könnten: Welcher wäre das?
Ivan Reimann: Vor allem die größere Offenheit gegenüber Veränderung und Experiment. Gerade im Umgang mit dem Bestand wäre es wichtig, Prozesse stärker auf Möglichkeiten statt auf Einschränkungen auszurichten. Transformation ist immer mit Unsicherheiten verbunden, eröffnet aber gleichzeitig enorme Chancen für nachhaltige und identitätsstiftende Stadtentwicklung.
Wenn es gelingt, diese Offenheit mit der hohen planerischen und technischen Qualität in Deutschland zu verbinden, könnte daraus eine starke Kultur des Weiterbauens entstehen.
NAX dankt dem Büro Müller Reimann herzlich für seine Zeit und die Einblicke, Perspektiven und Erfahrungen, die es in diesem Interview geteilt hat.