Als NAX-Pate aktiv in Algerien

Fragen an Dipl.-Ing. Jürgen Friedemann (JF), Prokurist und Leiter Vertragsmanagement bei KSP Jürgen Engel Architekten

Jürgen Friedemann
Kirsten Bucher

NAXNAX Netzwerk Architekturexport: KSP Jürgen Engel Architekten baut als erfolgreich international tätiges Büro u.a. die drittgrößte Moschee der Welt in Algerien – wie konnten Sie dieses Projekt akquirieren und was genau sind Ihre Aufgaben dort?

JF: Den Auftrag haben KSP Jürgen Engel Architekten gemeinsam mit dem Ingenieurbüro KREBS+KIEFER durch den Gewinn eines internationalen Architektenwettbewerbs erhalten, der für das Projekt im Jahr 2007 ausgelobt worden war. Unser Entwurf für den Neubau der Großen Moschee in Algier wurde mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Im Rahmen einer offiziellen Zeremonie in Algier wurde im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem algerischen Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika im Jahr 2008 der Vertrag für den Neubau der „Mosquée d’Algérie“ unterzeichnet. In dieser Konstellation mit KREBS+KIEFER sind wir mit der Generalplanung und Bauüberwachung für das Projekt beauftragt.

Neubau Große Moschee von Algier - „Djamaa el Djazair“, Rendering
KSP Jürgen Engel Architekten

NAX: Können Sie uns etwas über die Baurealität in Algerien sagen? Wie unterscheiden sich die Zusammenarbeit von Architekt, Bauherr / Behörde dort, wie die Planungs- und Prozessabläufe? Wie stellen Sie sich auf die interkulturellen Herausforderungen ein?

JF: Projekte dieser Größenordnung werden in Algerien fast ausschließlich von internationalen Generalunternehmen realisiert, weil Bauunternehmen mit der notwendigen Größe und technischen Leistungsfähigkeit dort nicht zur Verfügung stehen. In unserem Fall ist ein chinesisches Bauunternehmen mit der Realisierung beauftragt. Es bedarf großer Anstrengungen, um die angestrebte Qualität der Bauausführung zu erreichen.

Das Projekt ist wegen seiner Größe und Bedeutung hinsichtlich der Zusammenarbeit mit den Behörden eher nicht repräsentativ. Zuständigkeiten und Genehmigungsverfahren unterscheiden sich von den deutschen nicht grundsätzlich, allerdings sind die bürokratischen Prozeduren langwierig und entsprechend aufwändig.

Kulturell ist Algerien mehrdimensional. Neben den eigenen nationalen und ethnischen Traditionen ist die historisch bedingte Beziehung zu Frankreich weiterhin stark spürbar, bis hin zu Zweisprachigkeit. Dies erleichtert den Zugang. Gleichwohl begegnen wir den Herausforderungen insbesondere durch den Einsatz algerischer Architekten und Ingenieure und die Beteiligung von deutschem Personal mit algerischer Herkunft. Diese Mitarbeiter sind für uns eine wichtige Brücke zwischen den Kulturen.

NAX: Sehen Sie in Algerien Potential und Chancen für weitere Projekte, die deutsche Planer umsetzen könnten?

JF: Zurzeit leidet Algerien massiv unter den stark gesunkenen Öl- und Gaspreisen. Als ein Land, das nahezu vollständig vom Export dieser Rohstoffe abhängt, ist Algerien davon sehr stark betroffen. Die Regierung reagiert mit einem Sparkurs, sodass wir in den nächsten Jahren nicht mit neuen großen öffentlichen Projekten rechnen, allenfalls bei der Infrastruktur. Größere private Bauinvestitionen sind nicht sehr zahlreich. Insofern sehen wir das Potential im Augenblick als begrenzt an. Gleichwohl könnte Algerien mit einer wachsenden und sehr jungen Bevölkerung auf längere Sicht Entwicklungschancen bieten.

Herzlichen Dank Herr Friedmann, und viel Erfolg bei diesem spannenden Projekt.

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